Steuerliche Erleichterungen

Aufgrund der Corona-Krise hat die Bundesregierung neben arbeitsrechtlichen Maßnahmen maßgeblich steuerliche Liquiditätshilfen und Milliarden-Hilfsprogramme für Betriebe und Unternehmen beschlossen.

Für aktuelle Informationen zu den steuerlichen Erleichterungen (hier NRW und Baden-Württemberg) verweisen wir auf die Webseite der Finanzverwaltung NRW und der Finanzämter Baden-Württemberg.

Steuerpflichtige, die steuerliche Erleichterungen in Anspruch nehmen wollen, müssen nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffenen sein.

Körperschaftsteuer / Einkommensteuer / Gewerbesteuer

  • Keine strengen Anforderungen bei Herabsetzung der Steuervorauszahlungen
  • Zinslose Stundung der fälligen oder fällig werdenden Steuer möglich
  • Stundung der Gewerbesteuer ist bei den Kommunen zu beantragen
  • Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen (bis 31.12.2020) für betroffene Unternehmen
  • Für Steuerabzugsbeträge (Lohnsteuer / Kapitalertragsteuer) – grundsätzlich keine Stundung möglich gem. § 222 S. 3 und 4 AO

Erweiterte Möglichkeit der Verlustverrechnung

Der Beschluss der Bundesregierung sieht Folgendes vor:

  • Betroffene Steuerpflichtige mit Gewinn- oder Vermietungseinkünften können -pauschal ermittelte- absehbare Verluste aus 2020 nachträglich mit Steuervorauszahlungen aus dem Jahr 2019 verrechnen
  • Eine Betroffenheit wird angenommen, wenn die Steuervorauszahlungen 2020 aufgrund der Corona-Krise bereits auf null Euro reduziert wurden und der Steuerpflichtige versichert, dass er für den Veranlagungszeitraum 2020 aufgrund der Corona Krise eine nicht unerhebliche negative Summe der Einkünfte erwartet
  • Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag 2020 beträgt 15 % der maßgeblichen Einkünfte (Gewinn- und/oder Vermietungseinkünften), die der Festsetzung der Vorauszahlungen für 2019 zugrunde gelegt wurden
  • Begrenzung des Verlustrücktrages aus 2019 auf maximal 1 Mio. Euro (bei Zusammenveranlagung maximal 2 Mio. Euro)
  • Auf dieser Basis werden die Steuervorauszahlungen 2019 neu ermittelt und es wird gegebenenfalls eine Erstattung vorgenommen
  • Im Zeitpunkt Abgabe der Steuererklärung für 2019 ist zu prüfen, ob weiterhin mit Verlusten für den Veranlagungszeitraum 2020 gerechnet wird – dann Möglichkeit eines Antrags auf zinslose Stundung einer Steuernachzahlung für 2019
  • Fällt doch ein Gewinn für 2020 an, sind die erstatteten Vorauszahlungen mangels eines finalen Verlustrücktrages aus 2020 wieder zurückzuzahlen
  • Auf die Gewerbesteuer finden die Verlustrücktragsregelungen weiterhin keine Anwendung
  • Pressemitteilung des BMF mit Beispiel zu der Systematik sowie BMF-Schreiben vom 24. April 2020

Umsatzsteuer

  • Herabsetzung der Sondervorauszahlung 2020 für Dauerfristverlängerung und Erstattung der bereits entrichteten Beträge in fast allen Bundesländern möglich
  • Zinslose Stundung der fälligen oder fällig werdenden Steuer möglich
  • Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen (bis 31.12.2020) für betroffene Unternehmen
  • Anpassung der Umsatzsteuersätze in der Gastronomie
    • Nach dem Beschluss der Bundesregierung soll eine befristete Vereinheitlichung des Umsatzsteuersatzes für die Abgabe von Speisen auf den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent erfolgen
    • Der einheitliche Steuersatz gilt ab dem 1. Juli befristet bis zum 30. Juni 2021 damit unabhängig davon, ob die Speisen vor Ort verzehrt oder mitgenommen werden

Zoll

  • Bei Steuern, die von der Zollverwaltung verwaltet werden (z. B. Einfuhrumsatzsteuer, Energiesteuer und Luftverkehrssteuer), sind die o. g. Stundungsregelungen, Vollstreckungsaufschub und Anpassungen der Vorauszahlungen ebenfalls möglich

Steuerfreie Sonderzahlungen an Arbeitnehmer

  • Arbeitgeber können Ihren Beschäftigten Beihilfen und Unterstützungsleistungen (zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn) bis zu einem Betrag in Höhe von bis 1.500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei auszahlen oder als Sachbezug gewähren
  • Die Regelung gilt für Zahlungen aufgrund der Corona Krise im Zeitraum 1. März bis 31. Dezember 2020 und ist nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt
  • Siehe dazu das BMF-Schreiben vom 9. April 2020

Sonstiges

  • Keine speziellen Regelungen für Erbschaftsteuer / Schenkungsteuer (Ausnahme: in Bayern ist auch für Erbschaft- und Schenkungsteuer Fälle eine Corona-bedingte zinslose Stundung von bis zu drei Monaten möglich; LfSt Bayern S 3900.1.1-23/1 St34)
  • Für Nordrhein-Westfalen und Bayern: Die Abgabefristen für Lohnsteueranmeldungen zum 10.04.2020 können auf Antrag um bis zu zwei Monate verlängert werden.
  • Bundeslandabhängig werden Fristen für die Abgabe von Jahressteuererklärungen (auch für den Veranlagungszeitraum 2018) in allen steuerlich beratenen Fällen bis zum 31.05.2020 verlängert (teilweise auf Antrag, teilweise ohne Antrag)

Für Ihre individuellen Fragestellungen stehen Ihnen Ihre Ansprechpartner bei BPG jederzeit gerne zur Verfügung.

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